Anwendung des vierteilige Körper-Emotionen- Intellekt-Geist- Modells für die Systemaufstellungen in der Imagination, erstellt von N. Spokoinyi. Thema: Akzeptanz des Todes der eigenen Mutter

Ich bin 32 Jahre alt. Seit acht Jahren bin als Psychologin taetig. Obwohl ich den Leuten helfe, deren psychologische Probleme zu loesen, gehoere ich selbst zu diejenigen, die manchmal externe Hilfe brauchen.

Vor einem Jahr ist meine Mutter an Krebs gestorben. Wir wussten schon vorher, dass ihre Krankheit so enden wird und haben jedoch weiter dagegen gekaempft. Ich hatte immer ein gutes Verhaeltnis zu meiner Mutter, ich bin ihr fuer alles sehr sehr dankbar. Jedoch kann ich nicht sagen, dass wir sehr nah waren. Es hat immer etwas gefehlt – eine gewisse emotionale Naehe, Waerme.

Irgendwann ging ihr schon so schlecht, dass wir die Hoffnung aufgegeben haben, dass es ihr besser werden kann. Sie starb und ich konnte da nichts machen. Ich war sehr davon betroffen und diesen Schmerzen, der mit diesem Gefuehl der Ohnmacht verbunden war, konnte ich nicht mehr ertragen. Damals habe ich eine Fortbildung gemacht und habe mir den Ansatz der Systemaufstellungen angeeignet. Im letzten Seminar habe ich mich als Patientin gemeldet, weil ich dringend eine Unterstuetzung brauchte.

Die Aufstellung, die wir damals gemacht haben, hat mir geholfen, einen Schritt naeher meiner Mutter zu kommen. Ich habe verstanden, dass sie wie jeder andere ihr eigenes Schicksal hat, dem man nicht widerstehen muss. Das Schicksal begleitet uns und gilt als der Schuetzer auf unserem Weg von der Geburt bis zum Tode. Im Endeffekt habe ich verstanden, dass unser Leben endlich und der Tod eine wichtige Etappe unseres Daseins ist.

Meine Mama ist gestorben, aber dieses Erkenntnis hat mir geholfen, mutig zu bleiben und auf ihrer Seite bis zu Ende zu stehen. Obwohl seitdem schon ein Jahr vorbei war, habe ich andauernd ein schmerzliches Vermissen empfunden. Dieses Gefuehl hat mich in meinem Alltag sehr gehemmt, vor allem wenn ich mit den Patienten, die eine aehnliche Lebenssituation erlebt haben, zusammenarbeitete Damals bin ich zufaellig auf einen Artikel von Natalia Spokoinyi im Internet gestossen. Da ging es um einen besonderen Ansatz zum Einstieg in die Aufstellung und den Wiederaufbau der Ganzheit der Persoenlichkeit.

Um festzustellen, was unserer ganzheitlichen „Ich“-Gestalt fehlt, worin das Problem besteht, muss man zwischen folgenden Komponenten unterscheiden: Koerper, Geist, Emotionen, Intelligenz und Persoenlichkeit. Alle diese Teile unserer Gestalt haben ihren eigenen Platz und eine gewisse Bedeutung. Zusammen bilden sie die Ganzheit des Menschen. Der Zusammenklang dieser Elemente bestimmt sowohl psychische als auch physische Gesundheit des Menschen: je harmonischer sie zusammengestellt sind, desto besser fuehlt man sich. Natalia macht diese Elemente fuer ihre Patienten sichtbar. Sie stellt sie als einzelne Figuren in einer Raeumlichkeit auf. Danach versucht sie mit dem Patienten den Zusammenhang dieser Teile zu analysieren und in diesem Kontext eine optimale Problemloesung zu finden.

Ganz intuitiv habe ich mir vorgenommen, diesen Ansatz an mich selbst anzuwenden, um meine innere Welt besser zu verstehen. Meine Persoenlichkeitselemente habe ich nicht in einem Raum sondern in meinem Kopf aufgestellt. Mit Hilfe meiner Imagination habe ich ein grsses Zimmer mit einem Fenster kreiert, wo ich die Aufstellung durchgefuehrt habe. Ich habe mir alle Elemente genau angeschaut. Der Koerper sass in einer Ecke und schien von keiner anderen Figur zu bemerken zu sein. Der Geist hat ganz gleichgueltig aus dem Fenster geschaut. Die Intelligenz war voll der Ueberzeugung von ihrer Bedeutsamkeit. Am schlimmsten ging es den Emotionen. Sie sassen auf dem Boden und haben um etwas getrauert. Ich hatte ein starkes Beduerfnis jedes Element anzusprechen und zu sagen: “Jetzt sehe ich dich. Danke, dass du es fuer mich machst.“ Danach habe ich einen Anschein bekommen, dass die Elemente aufmerksamer aufeinander geworden sind. Sie haben einander angeguckt und sich wiedererkannt. Jedes Element war neugierig, wofuer das andere gelobt wurde. Aber die Emotionen wurden nach wie vor aus der Acht gelassen. Dann habe ich anderen Elementen vorgeschlagen sich neben den Emotionen zu stellen und mit mir zusammen sie dafuer zu bedanken, was sie fuer uns alle gemacht haben: “Jetzt sehen wir dich. Danke dafuer, dass du dort hingeschaut hast, wo wir nicht hingucken wollten. Du hast dir etwas sehr Heftiges angesehen.” Nachdem die Bedeutung der Emotionen anerkannt wurde, habe ich mich entlastet gefuehlt (ich hatte sogar das Gefuehl, dass ich endlich mit der vollen Brust atmen kann). Meine Persoenlichkeitselemente haben es geschafft, miteinander zu agieren.

Nach dieser Aufstellung bin ich ploetzlich zum Schluss gekommen, dass meine Mutter keine Opfer ihrer Krankheit war. Im Gegenteil war sie ein richtiger Kaempfer. Sie kaempfte immer weiter, auch wenn die Aerzte die Hoffnung aufgegeben haben. Ich sehe nun meine Mutter als eine sehr starke Persoenlichkeit, die diese Staerke auch mit ins Grab genommen hat. Ich habe mich sofort an ihre Jugend erinnert. Sie war immer unterwegs, hat aktiv Sport getrieben und war als Bauingenieur und Schweisserin taetig. Eine schwache Frau wuerde das alles nie schaffen koennen! In diesem Moment habe ich aufgehoert um meine Mutter zu trauern. Nun habe ich ihre Gestalt als eine starke Energiequelle wahrgenommen.

Ab und zu erinnere ich mich doch an die schwierige Zeit, die wir erlebt haben. Aber nun empfinde ich es anders. Das ist ein Teil meines LEBENS und ich bin dankbar, dass ich diese Etappe hatte. Nachdem ich sie ueberstanden habe, bin ich viel staerker geworden.

P.S.: Ich sage nicht, dass die Ergebnisse, die ich mittels der oben beschriebenen Aufstellung erzielt habe, professionell nachweisbar sind. Ich kann aber sagen, dass sie mir sehr geholfen hat, innere Ruhe zu finden und mich selbst wiederzuentdecken. Ich wuerde mich sehr freuen, wenn meine Geschichte bei jemanden einen Einklang findet und dazu aufregt, eine neue Chance zu ergreifen. Und vielen Dank an Natalia fuer das, was sie macht!

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